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Gelände-Vorgeschichte
Die Vorgeschichte des Geländes, auf dem das "Quartier 100" mit der Christ-König-Straße errichtet wurde.
1904 - 1957: Fahrzeugwerke E. H. von Lienen
Die Geschichte des Quartier-Geländes als Busbetriebshof beginnt eigentlich am 1. April 1904 in der Friedrichstrasse 22 - der heutigen Hunscheidtstraße -,
wo der Kaufmann Emil H. von Lienen zusammen mit einem Partner einen Reparaturbetrieb für Fahrräder und Nähmaschinen
unter der Firma "Lienen & Taddigs" gründet. Vier Jahre später verlässt Taddigs die Firma, 1909 hat der Betrieb 6 Arbeiter und nimmt auch Reparaturen an Autos auf - was
in der Nachbarschaft zu Beschwerden wegen der Motorgeräusche führt.
Im Jahr 1920 nimmt von Lienen über den Verkauf und Reparaturbetrieb hinaus auch die Herstellung von Fahrzeugaufbauten und -Anhängern
auf und firmiert
fortan als "Fahrzeugfabrik" mit rund 55 Beschäftigten. Als Plattform dienen vorwiegend Fahrgestelle der Firma Büssing in Braunschweig, für die man die
Generalvertretung übernimmt. Auch ein Betriebsrat nimmt zu dieser Zeit seine Arbeit auf.
Im Jahr 1913 - der Betrieb hat mittlerweile 11 Arbeiter - ist es dann soweit: Von Lienen errichtet eine neue Werkstatt
an der Wittener Str. 88 und firmiert fortan als "Emil H von Lienen Vertrieb von Last- und Personen-Kraftwagen. Neuzeitliche
Reparaturwerkstatt für Kraftfahrzeuge aller Systeme". 1914 arbeitet man kriegsbedingt auch Sonntags, 1915 wird eine Dampfkesselanlage
mit Kamin eingebaut, 1918 bereits ein Anbau vorgenommen.

Luftild aus dem Jahr 1926: die große Fahrzeughalle ist beherrscht das Gelände, Steinring, Christ-König-Kirche etc. sind
noch nicht vorhanden.
Foto: CC BY-NC-SA 4.0 2015, Regionalverband Ruhr
1922 geht die Expansion weiter: eine Dreherei wird eingerichtet, 1924 eine große Fahrzeughalle in südlicher Richtung neben der bestehenden Werkstatt angebaut - Architekt ist
übrigens der bekannte Heinrich Schmiedeknecht aus Bochum.
1925 wird außer einem eigenen 2000t-Mineralöl-Lager für die Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft (DAPG, ein
Vorläufer der heutigen ESSO)
auch ein Dampfhammer in der Schmiede installiert.
1925 wird ein weiterer Anbau für Magazin und Motorenwerkstatt nördlich neben der alten Werkstatt errichtet - Architekt ist
wieder Heinrich Schmiedeknecht.
1927 ereignen sich mehrere Arbeitsunfälle mit der Metallwasch- und Entfettungsanlage der Charlottenburger
Firma Max Heller, die mit Trichloräthylen (Tri) arbeitet.
Zwischen 1926 und 1928 gibt es in der Umgebung der Fahrzeugwerke Änderungen: der Steinring wird über die Kreuzung mit der Otto- und Düppelstraße bis zur Wittener Straße verlängert
und um 1930 werden die Hausnummern an der Wittener Strasse neu verteilt: Aus der bisherigen Nummer 88 der Fahrzeugwerke Emil H. von Lienen wird die Nr.100. Die ehemalige
Nummer 100 rutscht nur acht Hausnummern weiter auf die 108.
Im Jahr 1930 gestaltet sich die Nachbarschaft mit den neuen Hausnummern wie folgt, die erweiterten Hausnummern sind
jeweils Hinterhäuser:
Nr. neu | Nr. alt | Parteien | Eigentümer, Bemerkung |
92 | 80 | 8 +Wirtschaft, Kolonialwaren | Hugo Reese, Wirt und Kolonialwarenhändler |
92a | 801 | 8 | Philipp Michels, Schlosser (Das "Hinterhaus" steht auch heute noch) |
- | 802 | 1 | Hugo Reese (steht nicht mehr, das Gelände des heutigen Stadtbahn-Notausstieges) |
94 | 82 | 4 +Heissmangel | Philipp Michels, Klempnermeister |
94a | 82 | 2 +Schweißerei | Hugo Reese, Rentner |
96 | 84 | 7 | Philipp Michels, Klempnermeister, (heute: Grundstück/Haus direkt neben dem "Riegelbau") |
98 | 86 | 13 | Emil Kepper, Wirt |
98a | 861 | 6 +Lager +Vulkanisieranstalt Heinrich Dietrich | Emil Kepper, Wirt |
100 | 88 | Fahrzeugfabrik | E.H. von Lienen |
100a | 881 | 1 | E.H. von Lienen |
1930 wird von Lienen Generalvertretung für Henschel-Lastkraftwagen, außerdem wird das Flurstück
mit dem Hinterhaus "80/2" (das Gelände des heutigen Stadtbahn-Notausstieges) zugekauft. Angrenzend an die
hintere Seite des Gländes wird 1931/32 am Steinring die Christ-König-Kirche nebst Kloster gebaut.
1934 tritt der Kaufmann Friedrich Esser in die Firma ein, wird 1938 Prokurist und übernimmt im Januar 1942
die Firma unter Ihrem bisherigen Namen mit 45
Beschäftigten als neuer Eigentümer - wohl ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte der Firma.
Robert Esser wird einen Monat später ein weiterer Gesellschafter.

Ansicht von der Kreuzung Steinring/ Wittener im September 1951.
Die Häuser links stehen noch heute am Steinring.
Foto: © Presse- und Informationsamt der Stadt Bochum, Bildarchiv
Im Oktober 1942 wird auf dem Gelände von E. H. von Lienen eine ca. 70qm große Baracke für die Unterbringung von Zwangsarbeitern (in dieser Quelle die Nr. 48) errichtet,
da auch Aufträge für das Heeres-Waffenamt ausgeführt werden - laut eines späteren Zeitungsartikels aber ohne Geschütze oder Munition zu
fertigen. Im Verlauf des zweiten Weltkrieges kommt die zivile Fertigung ganz zum Erliegen und es wird nur noch
für die Wehrmacht produziert - z.B. spätestens ab 1943 die genormten Zweiachs-Einheitsanhänger "E5" mit 5t Zuladung.
Bei den ersten goßen Bombenangriffen des "Battle of the Ruhr" der Royal Air Force auf Bochum zu Pfingsten 1943 (12./13. Juni) werden die Werkstätten
stark und das als Verwaltung genutzte Wohnhaus direkt an der Wittener Straße sogar bis auf die Grundmauern
zerstört. Die notdürftig wieder errichteten Anlagen werden dann beim verheerenden Angriff am 4. November 1944
abermals in Schutt und Asche gelegt. Nur dank eines 14m tiefen Luftschutzkellers wurden viele Beschäftigte und andere Altenbochumer
gerettet. (Die Überlieferung sagt allerdings, dass der Luftschutzkeller sehr feucht war und ständig von
den im Lager bei EHV Lienen beschäftigten Frauen leergepumpt werden musste.)
Verkehrsschau-Titelblatt mit EHVL-Anhänger
Doch auch nach dem Krieg gibt es noch einmal Nachwehen: 1947 detoniert ein Blindgänger auf dem Gelände
und richtet abermals Zerstörungen an. Doch bereits im Februar 1948 beantragt Friedrich Esser - jetzt Inhaber der
Fahrzeugwerke EHV Lienen - den Wiederaufbau eines Bürogebäudes anstelle des Wohnhauses an der Wittener Strasse.
Robert Esser scheidet 1949 als Gesellschafter aus - EHVL wird von einer Handelsgesellschaft wieder zu einem Einzelhandelsunternehmen.
Robert Esser konzentriert sich auf sein Bergbauzuliefergeschäft, die "Gewerkschaft Robert" in Bochum.
1952 bucht die Firma von Lienen sogar das Titelbild der "Verkehrsrundschau" als Werbefläche für die
nach mehreren Seiten kippbaren Anhänger. In München wird im Juli 1953 eine Zweigniederlassung gegründet, die ebenfalls unter "Emil H. von Lienen" firmiert.

Ein Sonderaufbau der Fahrzeugwerke von Lienen: Der erste ARAL-Zug auf Tour
Quelle: Historisches Archiv BP/Aral
Ebenfalls im Juli 1953 stellt die ARAL AG, deren Hauptverwaltung nur ein Stück abwärts an der Wittener Straße liegt,
den ersten "Aral-Zug" vor, mit dem die Marke ARAL in Form einer Roadshow beworben werden soll. Der 22m lange Aral-Zug besteht aus einer
Zugmaschine auf Basis eines Krupp Mustang mit einem Anhänger. Dazu gehört noch ein begleitender Trosswagen
auf Basis eines Ford Fx2000, allesamt mit Aufbauten der Fahrzeugwerke von Lienen in ARAL-Blau. Die Zugmaschine und ihr Anhänger waren dabei so gestaltet,
dass sie nebeneinandergestellt beide wie Zugmaschinen aussahen. Zwischen die seitlich aufklappbaren Aufbauten auf
Zugmaschine und Anhänger wurde für die Wanderausstellung ein Boden mit breiter Freitreppe eingehängt und
mit zusätzlichen Wänden und Dach ein ca. 10x8m großer Präsentationsraum geschaffen. Der Publikumserfolg des ersten
ARAL-Zuges führte schon 1954 zur Indienststellung eines weiteren Zuges, diesmal jedoch als Deplirex-Anhänger mit ausziehbaren Seiten
- allerdings nicht von EHVL.
Der Aral-Zug I bleibt bis März 1960 auf Reisen, auch sein Nachfolger wird im selben Jahr ausgemustert.
Im Juni 1954 wird der Wiederaufbau des Werkes mit dem Bezug des neuen repräsentativen dreigeschossigen
Gebäudes direkt an der Wittener Strasse abgeschlossen. (Auch das heutige Haus an der Wittener Strasse 96 stammt aus der Zeit um 1954,
der Vorgänger wurde wie auch das alte Wohnhaus Nr. 100 im Krieg zerstört.) Mit dem Umzug
des Büros in das neue Verwaltungsgebäude kann auch die Sattlerei, die bisher in einer Baracke auf dem Gelände untergebracht war, in die festen Hallenbauten umziehen.
1954, also im Jahr des 50-jährigen Bestehens
hat EHV Lienen bereits 450 Beschäftigte, die eine 60-Stundenwoche absolvieren. Bei einem Umsatz von knapp 4 mio. DM
wird ein Gewinn von 26.000 DM erwirtschaftet.
Auf omnibusarchiv.de gibt es Bilder von Busanhängern der Firma E.H. von Lienen
Typ OA 5000 und
Typ OBA 5500 aus dem Jubiläumsjahr 1954. Außer Bussen und Busanhängern
werden aber auch die in der "Verkehrsrundschau" beworbenen, in mehrere Richtungen kippbaren offenen Anhänger gebaut. Eine Besonderheit des Produktprogramms waren außerdem
sogenannte Huckepack-Anhänger für den Haus-zu-Haus-Verkehr mit "pa-Behältern" der Bundesbahn. Diese Klein- und Großbehälter
für flüssige oder feste Güter waren der Vorläufer der heute verwendeten Standard-Container, konnten in der
Regel aber durch Winden und Kufen/Rampen an den Strassentransportern ohne Kran oder Gabelstapler auf- und abgeladen werden.

Von Lienen Huckepack-Anhänger für den Haus-zu-Haus-Verkehr der Bahn aus einer Patentschrift von 1950:
Die Behälter können ohne Kran auf- und abgeladen werden.

Innenansicht des Fahrzeugwerks März 1956 Foto: © Presse- und Informationsamt der Stadt Bochum, Bildarchiv
Im Juni 1954 kauft Friedrich Esser auch das Flurstück der zerstörten Häuser 98 und 98a auf,
so dass die Fahrzeugwerke die Adresse "Wittener Strasse 98-100" bekommen. Der bereits beantragte Erweiterungsbau
an der Verwaltung wird zugunsten der Planung einer grösseren Umgestaltung des Werkes zurückgezogen: Durch den
Zukauf ist es jetzt möglich, an der Werkstatt vorbei auf den Hof hinter den Hallen zu fahren. Das
bisher recht offene Gelände wird zudem mit einer Einfriedungsmauer in Richtung Wittener Straße abgeschlossen.
1955 wird der Umsatz von 4 auf 7 mio. DM fast verdoppelt, allerdings nur noch ein Gewinn von 17.000 DM realisiert. 1956 heiratet Friedrich Esser seine Mitarbeiterin (und seit 1950 Prokuristin) Maria Gottschalk.
Die heute als Anbau erscheinende Hausmeisterwohnung und ein Teil des heute von der Alsenstraße aus zugänglichen Begegnungszentrums
wurde vor 1956 von Friedrich Esser als Wohnhaus für sich
und seine Frau gebaut. Zugänglich war das Haus aber nur über das Gelände der Familie Michels (Besitzer von Nr. 92a und 94) und hatte daher
in den Adressbüchern von 1959 - 1967 die Adresse "Wittener Strasse 92b".

Luftbild in Richtung Innenstadt 1956/57,
kurz vor dem Konkurs von EHVL: der Hof
steht voller Busse und Anhänger
Der Turm von Christ-König und die
heutige Wittener 96 sind noch nicht wieder aufgebaut,
der neue HBf entsteht gerade, das Wohnhaus
von Friedrich Esser (heute Begegnungszentrum) steht schon.
Foto: © Presse- und Informationsamt der Stadt Bochum, Bildarchiv
Änderungen der Straßenverkehrszulassungsordnung der seit dem 5. Mai 1955
wieder souveränen Bundesrepublik führen jedoch dazu, daß der Markt
für die bei von Lienen gefertigten Omnibus-Anhänger 1956 zusammenbricht: Bereits in der Kabinetts-Sitzung
vom 21. Juli 1955 stellt der Bundesminister für Verkehr fest, "daß Kraftomnibusse mit Anhängern für Personenbeförderung
durch ihre Länge immer wieder Störungen des Verkehrsflusses verursachen" (Zitat Kabinettsprotokoll). Im Bundesgesetzblatt vom
30. April 1956 wird die entsprechende Neufassung der StVZO veröffentlicht, die in §32a "Mitführen von Anhängern" verfügt,
das "hinter Kraftomnibussen [..] nur ein für die Gepäckbeförderung bestimmter Anhänger mitgefürt werden [darf]".
Dazu kam, dass die deutsche Bundesbahn
einen Auftrag über 1,2 mio. DM stornierte und ein weiterer angekündigter Großauftrag der amerikanischen Luftwaffe in Höhe
von 32 mio. DM über Huckepack-Fahrzeuge und Wohnwagen, der das Werk
auf Jahre ausgelastet hätte, ebenfalls nicht erteilt wurde. In Erwartung dieser Aufträge hatte man bei
von Lienen zu viele Arbeiter trotz Unterbeschäftigung behalten und durch eine unzureichende Kostenrechnung
die Aufzehrung des Eigenkapitals zu spät erkannt: Im Januar 1957 müssen die Fahrzeugwerke E.H. von Lienen wegen Zahlungsunfähigkeit
Konkurs anmelden, denn in 1956 wurde bei einem Umsatz von knapp 6 mio. DM ein Verlust von 700.000 DM eingefahren, der das Eigenkapital (500.000 DM)
aufzehrte. Der Überlieferung nach wurde zudem ein Auftrag für die französische Armee nicht
normgemäß ausgeführt und die Abnahme der fertiggestellten Fahrzeuge daher verweigert.
Die 250-400 Arbeiter und 60 Lehrlinge werden Ende Januar 1957 mit der Schliessung des Betriebes gekündigt.
Auch
die Konkurrenz durch die 1951 von der Firma Kässbohrer eingeführten selbsttragenden Karosserie ("SETRA") im Omnibusbau
dürfte EVH Lienen mit den hier verwendeten Busaufbauten auf LKW-Fahrgestellen zu schaffen gemacht haben, auch wenn
von Lienen in der Marktnische der Anhänger zur Personenbeförderung sowie der Huckepack-Anhänger wohl eine Zeit lang rech erfolgreich war.
Die Geschichte
der Fahrzeugwerke EHVL endet am 28. Februar 1957 mit der Löschung aus dem Handelsregister.
1957 - 2006: BOGESTRA-Hauptwerkstatt
Nach dem Konkurs der Fahrzeugwerke EHVL wird der Betrieb von einem ihrer Kunden - der
Bogestra - gekauft und nach Umbauten ab Spätherbst 1959 als "KOM-Hauptwerkstatt" betrieben (KOM = KraftOMnibus). In der
Bilanz der Bogestra von 1959 taucht das Gelände nebst Inventar im Anlagenkonto mit einem Wert von 1,5 Mio DM auf.

Lageplan der "KFZ-Hauptwerkstatt", wahrscheinlich aus den 1980ern mit dem Gebäudebestand bis zum Abriss
Zu den ersten
Umbauten gehört die Neugestaltung der Fassaden von Lager und Werkstätten (fünf anstelle von zwei großen Toren)
zur Wittener Straße sowie
die Errichtung eines Anbaus im hinteren Hallenbereich mit Sozialräumen für die Werkstattarbeiter 1958.
Im Zuge dieser Umbauten wird auch der hohe Schornstein und das dazugehörige Kesselhaus niedergelegt.
In den Gebäuden an der hinteren Geländekante zieht die Fahrleitungs- Hauptwerkstätte ein, das Verwaltungsgebäude
wird von der "Technischen Abteilung" der Bogestra bezogen. Auch aufgrund des modernen Laufkatzen-Kransystems unter der Hallendecke,
mit der komplette Motoren und Getriebe relativ mühelos aus der Wartungsgrube in die speziellen Werkstätten gefahren
werden konnten, zählt die Werkstatt zu diesem Zeitpunkt zu den modernsten in Europa, rund 130 Menschen haben hier ihren Arbeitsplatz.
1959 wird das bisherige Holzlager im hinteren Bereich des Geländes zu einer Omnibus-Waschanlage "umgebaut". 1968 wird
das Magazin/Lagergebäude neben den Werkhallen zur Wittener Straße hin um ein auf drei Stockwerke aufgestockt und um einen dreigeschossigen Anbau
für eine Funkwerkstatt errichtet - der Anbau bekommt eine charakteristische "runde" Ecke in Richtung der Zufahrt von der Wittener Strasse.
Auch die Fassade des Magazins wird umgestaltet.
Zwischen 1973 und 1976 wird der bestehende (Straßenbahn-)Betriebshof an der Hattinger Straße in Weitmar zum Busbetriebshof mit eigener Werkstatt ausgebaut,
um den Betrieb des 400m weiter auswärts an der Wittener Straße liegenden Betriebshofes Altenbochum aufzunehmen.
1978 wird auch an der Zentralwerkstatt der Wittener Str. 100 noch um einen Anbau mit einem Brems- und Leistungsprüfstand neben dem
Sozialgebäude am hinteren Werkstatthallenende erweitert, dessen Planung schon 1974 begonnen hatte.
Auch das Dachgeschoss des von der "technischen Abteilung" genutzten Bürogebäudes direkt
an der Wittener Strasse wird nochmals umgebaut.
Ende der 1980er beschließt die Bogestra die Errichtung einer neue Schwerpunkt- und Kfz-Werkstatt auf dem
Gelände der Zeche Alma in Gelsenkirchen Ückendorf,
die im September 1990 eröffnet wird - dementsprechend wird der Werkstattbetrieb an der Wittener Straße eingestellt und
der Standort nur noch von der technischen Abteilung als Lager und Werkstatt genutzt.

Anfahrschacht des Stadtbahn-Bauloses F1, noch nicht bei der Endteufe von 20m angekommen
Rechts oben im Bild die Rückseiten der Wittener Str. 94 (ex "Stöberkiste") und Nr.96
Foto: Hubert Harst, mit freundlicher Genehmigung der Bilfinger Berger Ingenieurbau GmbH

Portalkran am Schacht mit dem kompletten Brillenwand-Profil des Bahnhofs Lohring
Foto: Hubert Harst, mit freundlicher Genehmigung der Bilfinger Berger Ingenieurbau GmbH
Von März 1993 bis 1996 herrscht noch einmal Hochbetrieb auf dem Gelände der ehemaligen Hauptwerkstatt: Im Bereich des heutigen Stadtbahn-Notausstieges
am Ende der ersten Stichstrasse wird ein ovaler Schacht von 14x18m Durchmesser und einer Tiefe von 20m abgeteuft, über den der gesamte Aushub des Stadtbahn-Abschnittes
vom Hauptbahnof bis zum Bahnhof "Lohring" ans Tageslicht sowie alle Maschinen und Materialien in den entstehenden Tunnel
gebracht werden. Neben dem Schacht stand außer dem notwendigen Kran noch die Spritzbeton-Maschine und die Tunnelbelüftung.
Nach Abschluss der Arbeiten wird an dieser Stelle ein Notausstieg aus den Stadtbahnschächten gebaut und der der (Rest-)Schacht verfüllt.
Als letzte grössere Investition in den Standort wird 1996 noch eine Niedertemperatur-Heizungsanlage eingebaut.
Von 1998 bis zur Schließung des Standortes findet die Abteilung Garten- und Landschaftspflege der diakonieeigenen gemeinnützigen
Bewatt-Werkstatt Ihre Heimat in einem Teil der Hallen, die sich auch für die Unterbringung von
Gartenbaugerät und -material gut eignen.
Mit der Eröffnung der neu gebauten zentralen Werkstatt auf dem Gelände der Zeche
Engelsburg an der Essener Straße im August 2005 werden die Gebäude hier gänzlich überflüssig,
daher 2006 ein Städtebau-Wettbewerb ausgelobt und das 14.400qm große Gelände 2008 an den Bochumer Bauträger Markus-Bau verkauft.
Den Wettbewerb zum "Lohberg-Depot" gewinnt das Bochumer Büro Kemper, Steiner & Partner mit Ihrem Entwurf eines "Wohnquartiers". (Link zum Plan von KSP)

Luftaufnahme der Hauptwerkstatt um 1997, die Stadtbahn-Baustelle ist bereits wieder abgeräumt
Das Haus mit der Aral-Reklame ist die Wittener Straße 96, die noch steht.
Foto: Hubert Harst, mit freundlicher Genehmigung der Bilfinger Berger Ingenieurbau GmbH
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Luftbild vom April 2006 - nicht mehr lange bis zum Abriss der Gebäude.
Luftbild mit freundlicher Genehmigung der Aerowest GmbH
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Lesen Sie, wie es weitergeht...
Quellen:
- Adressbücher der Stadt Bochum 1880-1959 im Stadtarchiv Bochum, Lesesaal
- Geschäftsberichte der Bogestra von 1958 und 1959 im Stadtarchiv Bochum
- Foto des Aral-Zuges mit freundlicher Genehmigung Historisches Archiv BP/Aral
- Bernd Regenberg: "Jahrbuch Lastwagen 2008", Podszun-Verlag 2006, S. 136ff.
- Patent 814275B vom 09.02.1950 "Kraftfahrzeug bzw. Anhaenger, insbesondere fuer den Transport von fahrbaren Behaeltern" (Skizze ist aus diesem Patent)
- Festschrift "Die ersten 50 Jahre der Fahrzeugfabrik Emil h. von Lienen" von den Fahrzeugwerke EHV Lienen 1954 im Stadtarchiv Bochum
- Zeitungsartikel in der "Morgenpost" vom 1. April 1954 im Stadtarchiv Bochum (Signatur IX A5)
- Zeitungsartikel "Bochum verliert Produktionsstätte" in der WAZ/Bochumer Stadtanzeiger vom 28. Februar 1957
sowie "Wirtschaftslage verursachte die Konkurse nicht" in der Ruhr-Nachrichten/Bochumer Zeitung vom selben Tag.
- Kabinettsprotokoll vom 21. Juli 1955 online auf bundesarchiv.de
- Bundesgesetzblatt Nr. 19 veröffentlicht am 30. April 1956, online auf www.bgbl.de
- Angaben von Zeitzeugen: "der Überlieferung nach"
- Handelsregistereinträge der Firma "Emil H. von Lienen", HRA2847 des Handelsregisters Bochum im Landesarchiv Münster (Zeitraum 1938 - 1957)
- Webseite der Bogestra-Standorte auf kluse23.de
- K.-H. Reikat/ P. Hoppe: "Tunnelbau in Bochum Baulos F1 Wittener Str. / Bhf. Lohring" in Tiefbau 5/1996
- Fotos von Hubert Harst mit freundlicher Genehmigung der Bilfinger Berger Ingenieurbau GmbH, der Stadt Bochum und der Bochum-Gelsenkirchener Stadtbahn-Verpachtungs
GbR
- Das Campaign Diary June 1943 des Royal Air Force Bomber Command
- Gespräche mit Zeitzeugen (="Überlieferung")
- Bauakte der Wittener Strasse 100 im Archiv des Bauordnungsamtes der Stadt Bochum (Zeitraum 1942-2007)
- Webseite der Bogestra zum Standort Gelsenkirchen-Ückendorf
- Unterlagen des Gewerbeaufsichtsamtes Bochum/Dortmund im Landesarchiv Münster (Zeitraum 1909-1934)
- Fotos aus dem Bildarchiv des Presse- und Informationsamtes der Stadt Bochum
- Luftbild der Fa. Aerowest GmbH, Dortmund
- Luftbild 1926 aus dem Bestand luftbilder.geoportal.ruhr der Metropole Ruhr
- Anzeige auf Oldtimer-Plus "EH VON LIENEN EINHEITSANHÄNGER WEHRMACHT" vom 26.03.2013 (5t Einheitsanhänger nach D692/41, Baujahr 1943 laut Typenschild)
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